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Streckenflugtraining im Schwarzwald

Während am Boden bei fast 40 °C Freibäder aus allen Nähten platzten, genossen Daniel und ich am vergangenen Samstag (27. Juni 2026) den wohl angenehmsten Platz im Südwesten Deutschlands: In 2.500 Metern Höhe zeigte das Thermometer gerade einmal 15 °C. Auch sonst hatten wir ideale Bedingungen für einen ausgedehnten Streckenflug – Training inklusive. Am Ende standen 711 Kilometer durch Schwarzwald und Schweizer Jura auf dem Bordcomputer.

Der BVS DuoDiscus mit Blick auf den Bieler See

Fliegen im Schwarzwald: Herausforderungen und Besonderheiten

Wenn man, wie ich, im Flachland fliegen gelernt hat, stellt der Schwarzwald eine neue fliegerische Herausforderung dar. Mit vielen nicht landbaren Tälern und Hochebenen ist das Fliegen hier anspruchsvoller als im Flachland, wo sich in aller Regel ein Acker für eine Außenlandung finden lässt, wenn die Thermik mal nicht mehr nach Hause trägt. Als recht neues Vereinsmitglied hat es mich umso mehr gefreut, diese Region zusammen mit einem erfahrenen Piloten kennenzulernen und so viele Tipps über das Fliegen in diesem neuen Gelände zu erhalten. Die Belohnung dafür ist ein landschaftlich und thermisch großartiges Fluggebiet.

Mit dem Duo Discus Richtung Norden

Daniel und ich trafen uns am Samstagmorgen am Freiburger Flugplatz und bauten zunächst den Duo Discus, unseren vereinseigenen Hochleistungs-Doppelsitzer, auf. Bei schon morgens gut 30 °C bringt dies bereits ordentlich ins Schwitzen. Nach dem Start, und dem etwas mühseligen Finden der ersten Thermik, stiegen wir in den Schwarzwald ein und konnten bereits vormittags auf gut 2.700 Meter Höhe steigen. Da das Wetter Richtung Süden noch nicht so gut aussah, entschieden wir uns, den Schwarzwald zunächst in Richtung Norden auszufliegen. Dabei erklärte mir Daniel, worauf es beim Fliegen im Schwarzwald ankommt, und zeigte mir auf dem Weg – aus komfortabler Höhe – Außenlandewiesen und Flugplätze im Schwarzwald.

Wir wendeten kurz vor Schwann-Connweiler und hielten dann Kurs auf den Flugplatz Hütten-Hotzenwald. Der Schwarzwald hatte schon voll entwickelt, das Wetter war super, und so flogen wir den Schenkel nach Süden mit einer Schnittgeschwindigkeit von 113 km/h. Wir merkten, dass der Schwarzwald heute super war, um hohe Schnittgeschwindigkeiten zu fliegen. Unser Vereinskollege Alex dagegen flog an diesem Tag ein „Jojo“ über dem Schwarzwald und erreicht so eine beeindruckende Schnittgeschwindigkeit von 117 km/h über 621 km.

Der Sprung in den Schweizer Jura

Der BVS Duo Discus hat hier einen Höhengewinn (steigen) von 5m/s.

Wir wollten trotzdem die Gelegenheit nutzen, auch den Schweizer Jura kennenzulernen. Der Sprung ins Jura wurde schließlich zum spannendsten Teil des Tages. Unter den Lufträumen von Basel und Zürich mussten wir vergleichsweise tief über die thermisch schwierige Rheinebene gleiten. Erst langsam tasteten wir uns voran – bis schließlich die ersten kräftigen Aufwinde des Jura den Anschluss ermöglichten. Faszinierend war während des Fluges der Blick über das Schweizer Mittelland in Richtung der Alpen, wo eine riesige Gewitterwolke stand. Und so flogen wir das Jura bis hinter Neuchâtel entlang. Besonders schön war dabei der Weg vorbei am Chasseral, findet dort doch jährlich die Hüttenwanderung des Vereins im Winter statt.

Mit perfekter Thermik zurück über den Schwarzwald

Der BVS Duo Discus im Endanflug auf Kirchzarten.

Schließlich kehrten wir um und flogen Richtung Schwarzwald zurück. Nach einer langsamen Talquerung fanden wir schließlich am Schluchsee unseren Aufwind des Tages, der uns zurück auf fast 3000 Meter brachte. Zurück nach Kirchzarten hätten wir es damit locker geschafft. Wir sahen aber, dass das Wetter über dem Schwarzwald noch super aussah und wussten, dass wir laut Wetterbericht noch ein Zeitfenster von ca. 2 Stunden haben, bis die Thermik an diesem Tag enden sollte. Und so entschieden wir uns, nochmal den Schwarzwald in Richtung Norden auszufliegen. Als unser Bordcomputer schließlich anzeigte, dass wir bei Rückkehr in Kirchzarten mehr als 700 Kilometer geflogen sein werden, wendeten wir wieder. Wir nahmen noch ein bisschen Energie unter den letzten Wolken mit und starteten dann, mehr als 50 Kilometer von Kirchzarten entfernt, unseren Endanflug – wir hatten es geschafft.

711 Kilometer und viele neue Erkenntnisse

Blick aus dem Segelflugzeug auf den Schwarzwald.

Mit jedem Meter, den wir Richtung Kirchzarten sanken, stieg die Temperatur im Cockpit wieder an. Wir wussten, dass wir den Höhepunkt der Hitzewelle am bestmöglichen Ort verbracht haben. Noch wertvoller als die 711 Kilometer war für mich aber die Erfahrung. Ich habe an diesem Tag viel über das Streckenfliegen in Schwarzwald und Schweizer Jura gelernt.

 

Unser Flug auf WeGlide: https://www.weglide.org/flight/1134125

Text und Bilder: André Bartsch